Wer kennt sie nicht, diese Frage? Es ist noch nicht lange her, da hat man neu kennengelernte Leute – wenn überhaupt – mal nach der Telefonnummer gefragt. Heute habe ich fast den Eindruck, wer kein Facebook hat ist out. Ich bin zu Facebook gekommen, weil eine sehr liebenswerte Kollegin mir mindestens 2mal in der Woche gesagt hat “Meld’ dich doch auch da an!”. Da ich manchmal tue, was man mir sagt, mische ich seit einiger Zeit auch mit. Allerdings frage ich mich oft, was denn wäre, wenn Facebook ganz plötzlich in der Versenkung verschwinden würde. Den Run auf die Psychologen möchte ich sehen.
Hach ja, was war das nur für ein tristes Leben bevor Facebook kam. Wie langweilig war das doch, als ich noch nicht wusste, was Heinrich* zum Abend essen würde – und wie das dann auch noch auf einem Foto aussieht (ohne Worte…).
Und was wäre die Welt heute nur ohne die Dauerposter und Glücksnussknacker, Fragensteller und Herzenverschenker? Ganz zu schweigen von denjenigen, die ständig mitteilen, an welchem Ort sie sich gerade mit welchen Personen aufhalten, etwa so: Wilfried* ist jetzt mit Henriette K.* und 5 anderen Personen hier: Am Arsch der Welt.
Theresa* fragte neulich auf Facebook “Wer geht mit mir was essen?” – um dann mitzuteilen, sie habe nun doch keine Lust. Lag wohl daran, dass nur Leute darauf antworteten, mit denen sie zwar “befreundet” ist, bei denen sich aber die Gemeinsamkeit auf den Wohnort “Erde” beschränkt.
Brigitte* schrieb vor ca. 9 Monaten, ihr sei übel – vor kurzem lud sie ein Bild von ihrem Baby hoch. Tragisch, wenn ich nun nicht jeden Furz und jedes “Dada” mitbekommen würde – zumal sensationellerweise das Baby selbst schon kräftig mitpostet (“Schlafe viel” oder “Papa macht ständig Faxen”). Kevin Richard* kommentierte das Baby-Foto mit den Worten “boar krass wie übelst süß das einzigste was fehlt sint die hare lol”. Schlimm, wenn ich all diese grammatikalisch besonders hochwertigen Dinge nicht mitlesen könnte.
Man könnte ewig so weitermachen und immer mehr “Daseinsberechtigungen” für Facebook finden, aber dazu fehlt einfach die Zeit. Facebook ist eine gute Sache um up-to-date zu bleiben. Datenschutztechnisch gibt es sicherlich noch Handlungsbedarf, aber immerhin hat man es selbst in der Hand, welche Informationen man veröffentlicht und welche eben nicht – und vor allem: welche Informationen man lesen will oder nicht.
* Namen geändert, damit mir keine Freunde die Facebook-Freundschaft kündigen.

